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Soziokultur in Nürnberg

Der durch die 68-er Bewegung eingeleitete gesellschaftliche Wertewandel und die daraus resultierende kulturpolitische Diskussion bewirkten umfassende, kulturelle Innovationen. Die Geschichtswissenschaft untersuchte nach dem Paradigmawechsel neue Forschungsgebiete (z.B. Sozial- und Alltagsgeschichte und narrative, erzählte Geschichte), der museale Bereich entwickelte didaktische Konzepte, um Ausstellungen und Sammlungen seinen Besucher/innen zu vermitteln, die Musikszene brachte mit Woodstock eine neue Musikkultur hervor, in den Theatern wurde die politische Avantgarde auf den Bühnen präsentiert...
In diesem Klima kultureller Neuerung stand der Mensch und seine Teilhabe am kulturellen Geschehen im Mittelpunkt. Waren zuvor noch die Angebote der Kulturtempel nur mit einem höheren Bildungsgrad und philologischer Ausbildung "rezipierbar", so stand der Mensch und seine Partizipation am kulturellen Geschehen nun im Mittelpunkt. Der soziale Aspekt der Kultur ("Sozio") und die kreative, kulturelle Betätigung formten den Begriff der "Soziokultur". Hilmar Hoffmann (seinerzeit Kulturdezernent in Frankfurt) und Hermann Glaser (Kulturreferent in Nürnberg) waren die Protagonisten in den 70/80er Jahren, die der deutschen Kulturlandschaft diese neuen Impulse gaben: "Kultur für Alle" hieß der Slogan.

Kultur fand nicht mehr ausschließlich im Elfenbeinturm statt, es wurden neue Orte entdeckt und geschaffen (soziokulturelle Einrichtungen, Kulturläden) und ein neues Publikum gefunden.
"Jeder Mensch ist ein Künstler", wusste Joseph Beuys und somit auch ein "Kulturschaffender" und das Ziel der Soziokultur ist es nach wie vor, möglichst jede/n anzusprechen und ihm/ihr Raum und Unterstützung zur Verwirklichung seiner/ihrer Kreativität anzubieten.

Dieses neue Stück Lebensqualität wurde in Nürnberg 1975 im Kulturladen Rothenburgerstraße (heute Villa Leon) realisiert und aus dieser Einrichtung ging zwei Jahre später (1977) das "Amt für kulturelle Freizeitgestaltung" hervor, eine Zusammenfassung sozio- und kultureller Projekte in Nürnberg und dem Schul- und Kulturreferat unterstellt.

Die von Hermann Glaser konzipierte "Kulturladenkette" wurde stückweise ausgebaut. Heute bieten elf dezentrale Kulturläden in den Nürnberger Stadtteilen ihre Programme an.
Erweitert wurde das Amt um das ehemalige "KOMM" (heute K4 im Künstlerhaus), das Jugendzentrum für politische und kulturelle Bildung (seit 1960) und das Inter-Kultur-Büro.

Im Jahre 1983 wurde der Tätigkeitsbereich des aufgelösten Amtes für "allgemeine Kulturpflege", nämlich zentrale Kulturveranstaltungen durchzuführen (z.B. Bardentreffen, Internationales Figurentheaterfestival u.a.), in das KUF integriert, das 5 Jahre später, seit 1988, den neuen Namen "Amt für Kultur und Freizeit" - als städtisches Akronym "KUF" - führt.

Seine neuen Amtsräume bezog das KUF 1996 gemeinsam mit dem Bildungszentrum der Stadt Nürnberg im Gebäude am Gewerbemuseumsplatz 1, auch "Kulturrathaus" genannt, topografisch am Beginn der Nürnberger Kulturmeile, gleich neben dem heutigen CineCitta-Kino.



